Antisemitische Parolen und Schlachtrufe sind in vielen Stadien Europa an der Tagesordnung. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung ‘Jungle World’ vom 18. Juni 2009 befasst sich Tobias Müller mit diesem Phänomen im niederländischen Fußball. In seinem Beitrag heißt es unter anderem:
“Drohend schallt es aus Dutzenden Kehlen in die Nacht: ‘Jodenbestuur!’ – ‘Judenvorstand!’ Gegenstände fliegen in Richtung des Clubhauses von Feyenoord Rotterdam. Der Mob schüttelt die Fäuste. Noch mehr Flaschen und Bierdosen werden geworfen, dann prescht die Einsatzpolizei auf Pferden vor und zerstreut die Menge. Solche Szenen sind kein Einzelfall. Sie gehören vielmehr zur finsteren Folklore rund um das Stadion De Kuip, wenn Feyenoord Rotterdam mal wieder ein Heimmatch verloren hat. [...]
‘Die gesellschaftliche Akzeptanz des Stadionantisemitismus wächst. ‘Immer öfter’, so Ronny Naftaniël, Direktor des Israel-Informations- und Dokumentationszentrums, ‘werden verletzende Parolen auch in der Alltagssprache verwendet.’ Gerade auf den Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg zu Jahresbeginn waren regelmäßig Parolen aus den Fanblocks zu hören. Vor allem ‘Hamas, Hamas, Juden ins Gas’ gehört bereits seit der zweiten Intifada zum verbalen Repertoire. Elise Friedmann, Leiterin der CIDI-Abteilung Antisemitismusforschung, fordert nicht nur die Strafverfolgung der Schreihälse. In einem offenen Brief rief sie auch den Amsterdamer Anhang auf, von projüdischer Symbolik Abstand zu nehmen. Diese, nuancierte Friedmann zwar, dürfe keine Rechtfertigung für Antisemitismus sein. ‘Aber wenn Ajaxfans unter einer Israel-Fahne den Gegner als Kakerlaken beschimpfen, ist das etwas anderes.’”