Frankreichs konservativer Präsident Nicolas Sarkozy hat am Wochenanfang in seiner Rede zur Lage der Nation das Tragen der Burka als “unfranzösisch” bezeichnet. Einige Politiker fordern sogar ein Verschleierungsverbot für Frauen. Gerd Kröncke befasst sich am 24. Juni 2009 in seinem Beitrag “Gesichter hinter Gittern” in der ‘Süddeutschen Zeitung’ mit dieser Debatte. Dabei verweist er auf zwei unterschiedliche Positionen, die sich auch in Sarkosys Regierung wiederfinden lassen:
“‘Die Burka ist auf dem Territorium der französischen Republik nicht willkommen’, sagte der Präsident vor dem Parlamentskongress in Versailles, ‘in unserem Land können wir es nicht hinnehmen, dass Frauen hinter einem Maschengitter gefangen sind, abgeschnitten von jedem sozialen Leben, jeder Identität beraubt.’ Das sei unvereinbar mit der republikanischen Idee von der Würde der Frau. Da hätten womöglich selbst die abwesenden Kommunisten zugestimmt, die Sarkozys Auftritt boykottierten. [...] Hingegen warnt Immigrationsminister Luc Besson, ein ehemaliger Sozialist, vor einem Gesetz. ‘Wir müssen die Ausbreitung der Burka verhindern’, sagt Besson, ‘aber das muss durch Aufklärung, Pädagogik und Dialog passieren’. Auch die Grünen sehen eine gesetzliche Regelung mit Skepsis. Die Abgeordnete Cécile Duflot sieht die Gefahr, dass bei einem Burka-Verbot die Frauen ganz weggesperrt würden. Die Linke ist sich wie gewöhnlich nicht einig.
Der Präsident hat die Burka in seiner Rede sehr prominent behandelt. Er entschied sich, eine muslimische Minderheit zu enttäuschen, dafür aber seine rechten Wähler und die Verfechter der laizistischen Staatsidee zu beruhigen.”